Gemeinsam Zukunft gestalten
Von Schleifschlamm bis Treppenhaus: Nachhaltigkeitspreis 2025 zeichnet kreative Lösungen aus
Die Preisträger*innen des Nachhaltigkeitspreises 2025 der BUW (v.l.n.r.): Nachhaltigkeitsreferentin Julia Schumacher, Dana Braß, Prof. Dr. Theda Radtke, Kristin Krebs, Aileen Richter, Julius Merkens, Prorektorin Prof. Dr. Rita Casale, Dr. Michael Blüm und Prof. Dr. Arne Röttger. // Foto Friederike von Heyden
„Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie Forschung, Lehre und universitäres Handeln dazu beitragen können, die Herausforderungen unserer Zeit aktiv anzugehen“, sagt Prof. Dr. Rita Casale, Prorektorin für Nachhaltige Organisationsentwicklung und Diversität. „Sie verbinden wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung und machen deutlich, welches Potenzial in der Zusammenarbeit engagierter Beschäftigter, Studierender und externer Akteur*innen steckt.“
Die Bergische Universität vergibt den Nachhaltigkeitspreis zum zweiten Mal. Ziel ist es, herausragende Nachhaltigkeitsprojekte sichtbar zu machen, Universitätsmitglieder zu inspirieren und die nachhaltige Entwicklung an der Universität gezielt zu fördern. Das Rektorat zeichnet für das Jahr 2025 drei Projekte in den Handlungsfeldern Forschung, Lehre und Organisation aus. Das Preisgeld ist zur Finanzierung weiterer nachhaltigkeitsorientierter Maßnahmen an der Bergischen Universität vorgesehen.
Die Auswahl der mit je 2.000 Euro prämierten Projekte verdeutlicht die große Bandbreite nachhaltigen Engagements an der Bergischen Universität. Die ausgezeichneten Projekte reichen von technologischen Lösungen für eine ressourcenschonende Industrie über innovative Bildungsformate bis hin zu kreativen Maßnahmen für einen nachhaltigeren Campusalltag. „Sie zeigen alle auf unterschiedliche Weise, wie Nachhaltigkeit an der BUW gestaltet wird – mit Kreativität, wissenschaftlicher Neugier und großem persönlichen Engagement. Sie sind außerdem tolle Beispiele dafür, wie in unterschiedlichen Konstellationen der Zusammenarbeit erfolgreich Veränderungen angestoßen werden können“, sagt Julia Schumacher, Referentin für Nachhaltigkeit.
Weitere Informationen gibt es auf der Webseite zum Nachhaltigkeitspreis.
Nachhaltigkeitspreis 2025: Die ausgezeichneten Projekte
Der Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Forschung geht an Prof. Dr. Arne Röttger und Jonathan Hann aus der Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik für ihr Projekt „Schleifschlamm – Mehr Potenzial als nur Recycling“.
Das Projekt verbindet ökologische und wirtschaftliche Fragestellungen und adressiert ein zentrales Problem der metallverarbeitenden Industrie: die Aufbereitung und Wiederverwertung von Schleifschlämmen aus schleifenden Bearbeitungsprozessen. Diese enthalten wertvolle Rohstoffe wie Wolfram oder Vanadium, die sich aufgrund von Verunreinigungen bislang nur schwer aus dem Schleifschlamm zurückgewinnen lassen und derzeit als Sonderabfall verloren gehen. Ziel des Projektes ist es, diese Rohstoffe in den Produktionskreislauf zurückzuführen und damit den Wandel hin zu einer zirkulären Wirtschaft zu unterstützen.
Das Forschungsteam konnte die technische Machbarkeit der Aufbereitung und Wiederverwertung erfolgreich nachweisen und eine geschlossene Prozesskette vom Recycling bis zum Upcycling entwickeln.
Die Auswahlkommission würdigte insbesondere den Beitrag zur Schonung wertvoller Ressourcen und zur Weiterentwicklung einer nachhaltigeren und resilienteren Metallindustrie. Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen und wirtschaftlicher Herausforderungen liefert das Projekt in Zusammenarbeit mit Praxispartnern einen vielversprechenden Lösungsansatz zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig fließen die Ergebnisse in Lehrveranstaltungen und Nachwuchsprogramme ein und fördern so den Wissenstransfer sowie das Nachhaltigkeitsbewusstsein junger Menschen.
In der Kategorie Lehre wird die Ringvorlesung „Klimakrise und Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet. Der Preis geht an das Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (transzent) der Bergischen Universität, die Students for Future Wuppertal, den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Universität sowie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH.
Wie kann Lehre interdisziplinär, praxisnah und offen für den Austausch mit der Gesellschaft gestaltet werden? Eine Antwort darauf gibt die seit dem Wintersemester 2021/22 bestehende Ringvorlesung „Klimakrise und Nachhaltigkeit“: Sie ermöglicht Studierenden aller Fachrichtungen eine lösungsorientierte Auseinandersetzung mit aktuellen Nachhaltigkeitsfragen und steht zugleich der interessierten Stadtgesellschaft offen. Ein zentrales Merkmal ist das Tandemprinzip: Wissenschaftler*innen des Wuppertal Instituts und der Bergischen Universität vermitteln aktuelle Forschungsergebnisse und verbinden wissenschaftliche Perspektiven mit Praxiswissen unter studentischer Mitgestaltung.
Die Auswahlkommission hob insbesondere die gesellschaftliche Relevanz des Formats, seine partnerschaftliche Struktur und den gelungenen Transfer in die Stadtgesellschaft hervor. Die Ringvorlesung schafft Räume für eine gemeinsame Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsherausforderungen, bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und fördert den Dialog zwischen Universität und Gesellschaft. So hat sie sich zu einem festen Bestandteil des Lehrangebots und zu einem erfolgreichen Transferformat entwickelt.
Der Preis in der Kategorie Organisation wird für das Projekt „Ein Herz für Treppen“ an Prof. Dr. Theda Radtke und die Studierenden Dana Braß und Henry Dicken des Masterstudiengangs Psychologie mit Schwerpunkt Arbeit, Umwelt und Gesundheit aus der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften verliehen.
Wie können klimafreundliches Verhalten und Bewegung im Alltag gefördert werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Studierenden im Rahmen eines Seminars. Dabei nutzten sie den Campus als Lern- und Experimentierraum. Ziel war es, Studierende, Beschäftigte und Gäste der Universität dazu zu motivieren, häufiger die Treppe statt des Aufzugs zu nutzen. Hierfür wurden in Zusammenarbeit mit dem Gebäudemanagement sowie Studierenden der Sportwissenschaften in mehreren Treppenhäusern kleine Impulse in Form von Fußspuren mit gesundheits- und umweltbezogenen Botschaften angebracht (sogenannte „Nudges“). Dabei wurde die Treppen- und Aufzugsnutzung mithilfe von Sensoren, Beobachtungen und Online-Befragungen erfasst.
Die Auswahlkommission würdigte insbesondere den kreativen und zugleich niedrigschwelligen Ansatz des Projekts: „Ein Herz für Treppen“ verbindet Gesundheitsförderung und Klimaschutz miteinander und setzt damit einen Impuls für einen gesünderen und umweltfreundlicheren Uni-Alltag. Hervorgehoben wurden zudem die gelungene Verbindung von Lehre, Forschung und Universitätsbetrieb sowie die gute Übertragbarkeit des Konzepts auf andere Einrichtungen. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Nachhaltigkeit in die Lehre integriert und der Campus als Lern- und Experimentierraum genutzt werden kann.