Teilnehmende gesucht
Wenn Erinnerungen sich aufdrängen: Neue Studie zu Traumatherapie gestartet
Lynn Lottes, Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klinisch-psychologische Intervention, möchte gemeinsam mit ihren Kolleg*innen besser verstehen, warum und wie genau Imagery Rescripting wirkt. // Foto Ben Spomer
Ein Unfall, ein Übergriff, eine bedrohliche Situation – traumatische Erlebnisse können tiefe Spuren hinterlassen. Viele Betroffene erleben das Geschehen immer wieder: die Erinnerungen kommen plötzlich, sind intensiv und schwer kontrollierbar. Solche Reaktionen gelten als normale psychologische Antwort auf außergewöhnlich belastende Ereignisse. Psychotherapeutische Verfahren können dabei helfen, das Erlebte zu verarbeiten.
Genau hier setzt das Forschungsprojekt der Bergischen Universität Wuppertal an. Im Mittelpunkt steht die Methode des Imagery Rescripting, auf Deutsch: Imaginatives Umschreiben. Dabei werden Betroffene angeleitet, eine belastende Erinnerung mithilfe der eigenen Vorstellungskraft so zu verändern, dass sie einen erträglicheren Ausgang nimmt. „Lebhafte Erinnerungen haben einen großen Einfluss auf unsere Gedanken und Gefühle – und genau diese Kraft der inneren Bilder können wir uns in der Behandlung zunutze machen“, erläutert Prof. Dr. Franziska Lechner-Meichsner, Studienleiterin und Leiterin des Lehrstuhls für Klinisch-psychologische Intervention an der Bergischen Universität Wuppertal.
Die Methode wurde bereits bei verschiedenen psychischen Erkrankungen untersucht und zeigte, insbesondere bei traumabezogenen Beschwerden, sehr gute Ergebnisse. Trotz guter Behandlungserfolge ist jedoch bislang nicht hinreichend geklärt, warum und wie genau Imagery Rescripting wirkt. „Ein tiefes Verständnis dieser Wirkungsweise ist wichtig, um Psychotherapien weiter zu verbessern und Behandlungen gezielter anzupassen“, erklärt Lynn Lottes, Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl. Aus diesem Grund untersucht das Projekt erstmals systematisch, was dazu führt, dass Betroffene das Gefühl entwickeln, belastende Erinnerungen besser kontrollieren zu können, statt ihnen hilflos ausgeliefert zu sein.
Wer kann teilnehmen und wie läuft die Studie ab?
Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren, die unter belastenden, sich aufdrängenden Erinnerungen an ein traumatisches Erlebnis leiden. Ein eigenes Smartphone ist erforderlich, da zwischen den Terminen kurze tägliche Befragungen per App stattfinden.
Interessierte erhalten zunächst in einem telefonischen Vorgespräch Informationen zum Ablauf der Studie sowie zu den Teilnahmevoraussetzungen. Im Anschluss folgt ein Erstgespräch mit psychologischer Diagnostik. Daran schließen zwei 100-minütige Sitzungen an, in denen die traumatische Erinnerung mittels Imagery Rescripting bearbeitet wird. „Durch dieses Vorgehen können wir unter die Lupe nehmen, welche Veränderungen durch die Arbeit mit den Erinnerungen entstehen und wie sich das Befinden im Alltag verändert“, so Lynn Lottes.
Die Termine finden in der Rathausgalerie in Wuppertal-Elberfeld statt. Der Gesamtzeitraum der Studienteilnahme beträgt etwa drei Wochen. Für die vollständige Teilnahme erhalten alle Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro.