Tagung und Finissage
Spanische Arbeitsmigration zwischen Geschichte und Erinnerung
Foto Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften
Die Tagung bildet den Abschluss der gleichnamigen Ausstellung „El hilo de la memoria: Obreras españolas y cultura del trabajo en la industria textil de Renania del Norte-Westfalia“, die bis zum 13. Oktober in der Universitätsbibliothek zu sehen ist. Die Ausstellung beleuchtet die Migration spanischer Frauen in die Textilindustrie des Bergischen Landes und macht damit ein bislang wenig erforschtes Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte sichtbar. Kuratiert wurde sie von Studierenden der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften unter der Leitung von Dr. Carmen Pérez González.
Historische Quellen und persönliche Erinnerungen
Das Programm der Tagung spannt einen Bogen von der Geschichte der Migration bis zur Erinnerungskultur. Den Auftakt macht Prof. Dr. Matei Chihaia von der Bergischen Universität. Anschließend spricht Prof. Carlos Sanz Díaz von der Universidad Complutense de Madrid über spanische Migrant*innen in der Bundesrepublik zwischen 1955 und 1973.
Einen besonders konkreten Blick auf die Arbeitswelt wirft Mercedes Riba vom Centro de Estudios Bejaranos. Sie stellt interne Dokumente des deutschen Textilunternehmens Johann Wülfing & Sohn vor, die von der Anwerbung von Beschäftigten aus der Provinz Salamanca in den 1960er-Jahren zeugen. Die historischen Dokumente eröffnen damit einen unmittelbaren Zugang zur Migrationsgeschichte im Bergischen Land.
Verlust- und Trauererfahrungen
Um die persönlichen Seiten der Migration geht es anschließend bei Prof. Dr. Joseba Achotegi vom Ulysses Syndrome Institute der Universidad de Barcelona. Er beschäftigt sich mit den „7 duelos de la migración“, den sieben Verlust- und Trauererfahrungen, die mit Migration verbunden sein können, sowie mit dem sogenannten Ulises-Syndrom bei spanischen Emigrant*innen der Jahre 1955 bis 1973.
Prof. Dr. Jenny Augustin von der Universität Osnabrück richtet den Blick auf die Erinnerung in der Gegenwart. Ihr Beitrag „Memorias entretejidas“ beschäftigt sich mit Graphic Novels zwischen Deutschland und Spanien.
Erinnerung über Generationen hinweg
Nach den Vorträgen endet die Ausstellung um 16.30 Uhr mit einer Finissage und einem Umtrunk. Von 17.30 bis 18.30 Uhr folgt eine moderierte Diskussion mit den Referent*innen sowie Rosario Fernández Bravo und Carmen Houben, die als Angehörige der zweiten Generation eigene Perspektiven auf die Migrationsgeschichte einbringen. Moderiert wird das Gespräch von Dr. Carmen Pérez González von der Bergischen Universität.
So führt die Tagung verschiedene Fäden zusammen: historische Dokumente, wissenschaftliche Forschung, künstlerische Formen der Erinnerung und persönliche Erfahrungen. Gemeinsam ergeben sie ein Bild davon, wie spanische Migration die Arbeits- und Lebenswelt im Bergischen Land geprägt hat – und wie diese Geschichte über Generationen hinweg weitergegeben wird.