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Personalie

Neuer Professor erforscht, wie Sprache unsere Sicht auf die Welt prägt

29.10.2026|12:24 Uhr

Was wir verstehen, hängt nicht allein von den verwendeten Wörtern ab. Auch der Kontext, die Absichten der Sprechenden und das Zusammenspiel von Text und Bild beeinflussen die Bedeutung einer Aussage. Prof. Dr. Stefan Hinterwimmer untersucht an der Bergischen Universität Wuppertal, wie Sprache funktioniert, Perspektiven vermittelt und gesellschaftliche Vorstellungen prägt.

Porträtaufnahme von Stefan Hinterwimmer. Er hat kurze, graue Haare und trägt eine Brille sowie ein blaues Polohemd. Im Hintergrund ist unscharf ein Aufzug aus Glas und ein Teil einer Treppe zu sehen.

Prof. Dr. Stefan Hinterwimmer // Foto Michael Mutzberg

Was bedeutet ein Satz wirklich? Ob eine Aussage ironisch gemeint ist oder worauf sich ein Pronomen bezieht, hängt oft davon ab, wer spricht, in welcher Situation die Äußerung fällt und was die Beteiligten bereits wissen. Wie diese Faktoren zusammenspielen, erforscht Prof. Dr. Stefan Hinterwimmer als neuer Professor für germanistische Linguistik an der Bergischen Universität Wuppertal.

„Sprache ist mehr als eine Sammlung von Wörtern und Grammatikregeln. Erst im Zusammenspiel mit dem Kontext und den Absichten der Sprechenden entsteht die Bedeutung, die wir einer Äußerung geben“, sagt Hinterwimmer. Seine Forschung verbindet die Semantik, die sich mit sprachlicher Bedeutung beschäftigt, mit der Pragmatik, die untersucht, wie wir Äußerungen im jeweiligen Zusammenhang verstehen.

Wenn Bild und Text zusammenspielen

Ein Schwerpunkt seiner Forschung ist die Frage, wie Sprache unterschiedliche Perspektiven vermittelt. Dabei untersucht Hinterwimmer auch das Zusammenspiel verschiedener Ausdrucksformen: Wie ergänzen sich gesprochene Sprache und Gesten? Welche Botschaft entsteht, wenn Bild und Text gemeinsam wirken – etwa bei Internet-Memes? 

Gemeinsam mit Prof. Dr. Cornelia Ebert von der Goethe-Universität Frankfurt leitet er ein Forschungsprojekt zur Perspektivierung in der visuellen Kommunikation. Es ist Teil des Schwerpunktprogramms „Visuelle Kommunikation“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Wie Worte gesellschaftliche Vorstellungen prägen

Auch politische Debatten bieten wichtige Anknüpfungspunkte für die linguistische Forschung. Warum werden Begriffe wie „Demokratie“, „Liberalismus“ oder „Volk“ unterschiedlich verstanden und politisch umkämpft? Und wie tragen sprachliche Formulierungen dazu bei, Feindbilder zu etablieren? Mit diesen Fragen möchte sich Hinterwimmer künftig verstärkt beschäftigen.

„Wer verstehen will, wie gesellschaftliche Konflikte sprachlich ausgetragen werden, muss genau hinsehen: Welche Wörter werden verwendet, welche Gruppen werden wie beschrieben – und welche Vorstellungen werden damit verbunden?“, sagt Hinterwimmer.

Darüber hinaus untersucht er, wie grammatisches Geschlecht mit sozialem und biologischem Geschlecht zusammenhängt. Ein weiteres Forschungsprojekt widmet sich Pronomen wie „das“, die sich auf vorherige Aussagen beziehen. Besonders bei verneinten Sätzen kann offenbleiben, auf welchen Teil der Aussage sich das Pronomen bezieht. Die Projekte sind Teil des Kölner Sonderforschungsbereichs „Prominenz in Sprache“.

Zur Person

Prof. Dr. Stefan Hinterwimmer war bereits von 2019 bis 2024 als Akademischer Rat im Fach Germanistik an der Bergischen Universität tätig. Anschließend übernahm er eine Professur für Linguistik des Deutschen an der Universität Hamburg, die er bis September 2026 innehatte. Er studierte Sprachwissenschaft, Philosophie und Soziologie an der Universität Regensburg, promovierte 2006 in Linguistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und habilitierte sich 2015 an der Universität zu Köln.