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Neugründung

Gemeinsam Krisen meistern: Bergische Universität bündelt Expertise im Bereich der zivilen Sicherheitsforschung

22.10.2026|13:30 Uhr

Mit dem neu gegründeten Interdisziplinären Zentrum „Zivile Sicherheitsforschung“ (ZiSiF) will die Bergische Universität Wuppertal zukünftig einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den Umgang mit Krisen und Katastrophen zu verbessern. Dafür bündelt sie die Expertise von 15 Wissenschaftler*innen, die unter anderem in den Bereichen Psychologie, Sicherheitstechnik, Energieversorgung und Bevölkerungsschutz forschen. Ziel ist es, gemeinsam hochaktuelle Forschungsfragen anzugehen und Antworten darauf zu finden, wie Gesellschaften sich zukünftig besser auf Krisen und Katastrophen vorbereiten, sie bewältigen und gestärkt daraus hervorgehen können.

15 Professor*innen und ihre Teams forschen zukünftig gemeinsam im neu gegründeten Interdisziplinären Zentrum für zivile Sicherheitsforschung: (links von oben nach unten) Prof. Fabian Brännström, Prof. Armin Seyfried, Prof. Stefan Diestel, Prof. Anna Sieben, (Mitte von oben nach unten) Dr. Mira von der Linde, Dr. Francesca Müller, Prof. Lukas Arnold, Dipl.-Ing. Benjamin Dymel, Prof. Frank Fiedrich, (rechts von oben nach unten) Dr. Marloes Venema, Prof. Tibor Jager, Jakob Wieland, Prof. Nicola Fricke, Dr. Sylvia Bach und Prof. Meinald Thielsch. Das Foto entstand beim letzten Arbeitstreffen. Auf dem Bild fehlen: Prof. Anna Baumert, Prof. Maria Behrens, Prof. Roland Goertz, Prof. Peter Imbusch, Prof. Anke Kahl und Prof. Markus Zdrallek. // Foto Muhammed Enes Bodur

Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass moderne Gesellschaften einer wachsenden Anzahl an Krisen, Risiken und Bedrohungen ausgesetzt sind, die sich in ihrer Dynamik, Komplexität und Wechselwirkung zunehmend verstärken. Globale Entwicklungen wie geopolitische Spannungen, Klimawandelfolgen, Pandemien, technologische Abhängigkeiten und digitale Verwundbarkeiten wirken sich unmittelbar auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft aus und können grundlegende Funktionen des täglichen Lebens beeinträchtigen. 

„Vor diesem Hintergrund gewinnt die Fähigkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen, Vorsorge zu betreiben, handlungsfähig zu bleiben und gesellschaftliche Resilienz zu stärken, zentrale Bedeutung“, betont Prof. Dr. Frank Fiedrich. An der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) leitet er das Fachgebiet Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit und steht dem neu gegründeten Zentrum gemeinsam mit seinen Kolleg*innen Prof. Dr. Anna Sieben und Prof. Dr. Meinald Thielsch vor.

Lange Tradition

Das Themenfeld (zivile) Sicherheit ist an der Bergischen Universität Wuppertal schon seit vielen Jahren ein wichtiger Forschungsbereich. Mit der Sicherheitstechnik, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feierte, verfügt die Bergische Universität über ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal im universitären Umfeld. Zudem beschäftigen sich weitere Wissenschaftler*innen aus Perspektive ihrer jeweiligen Fachdisziplin mit Themen der zivilen Sicherheit und der Krisen- und Katastrophenforschung. Dies umfasst unter anderem Forschung zu Natur-, Brand- und Cybergefahren, Konfliktforschung, Verhalten von Menschen und Organisationen in kritischen Situationen sowie gesellschaftliche Gewalt unter anderem als Gefahr für die Demokratie. 

„Hier setzen wir mit der Neugründung des Interdisziplinären Zentrums für Zivile Sicherheitsforschung an. Gemeinsam wollen wir das Potenzial der vorhandenen Expertise weiter ausschöpfen, indem wir bestehende Aktivitäten intensivieren und neue Forschungskooperationen entwickeln – auch über die Universität hinaus“, erklärt Prof. Anna Sieben. 

Die Psychologin, die parallel zu ihrer Professur an der Bergischen Universität die Abteilung „Sozialpsychologie in der Fußgängerdynamik“ am Forschungszentrum Jülich leitet, forscht aktuell zum Beispiel mit BUW-Kollegin Prof. Dr. Anna Baumert zu der Frage, welche Faktoren beeinflussen, ob Menschen sich auf Krisen vorbereiten und nimmt dabei auch bestehende Zivilschutzkonzepte in den Blick. 

Zusammenhänge verstehen

Wichtig ist den Mitgliedern die thematisch ganzheitliche Betrachtung. Arbeits- und Umweltpsychologe Prof. Meinald Thielsch erklärt das so: „Bei der Gefahrenabwehr und der Absicherung von Systemen wollen wir denkbare Bedrohungen umfassend berücksichtigen – unabhängig davon, ob sie natürlichen, technischen oder menschlichen Ursprungs sind. Gefahren betrachten wir in ihren Kontexten und zielen damit auf neue Erkenntnisse und Beiträge, die beispielsweise der Vorbereitung der Bevölkerung und der Kommunen dienen oder der Krisenstabs- und Einsatzarbeit zugutekommen.“ Im Fall von Waldbränden könnte das zum Beispiel bedeuten, über Computersimulationen ein tieferes Verständnis ihrer Ausbreitung zu gewinnen und zugleich die Auswirkungen auf Kritische Infrastrukturen und die Gesellschaft zu untersuchen.  

Den Nachwuchs im Blick

Darüber hinaus fokussieren die Mitglieder des Zentrums auf die Nachwuchsförderung. Langfristig zählen die Ausbildung von Doktorand*innen und Postdocs sowie die frühzeitige Einbindung von Juniorprofessuren genauso dazu, wie die Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen wie Ringvorlesungen, Konferenzen oder Summer Schools. 

„Mit den Interdisziplinären Zentren schafft die Bergische Universität Räume, in denen Wissenschaftler*innen gemeinsam innovative Forschung zu gesellschaftlichen Herausforderungen gestalten können. Mit dem neuen IZ Zivile Sicherheitsforschung schärfen wir unser Forschungsprofil in diesem einzigartigen Themenfeld, das so wichtig für die Gestaltung unserer Zukunft ist und überraschenderweise an anderen Forschungsstandorten des Landes viel zu oft vernachlässigt wird“, resümiert Prof. Dr. Stefan Kirsch, Prorektor für Forschung und Digitales an der Bergischen Universität.