Bestes Jungunternehmen
Expertise für die Energiewende: Wuppertaler Wirtschaftspreis würdigt Uni-Ausgründung
Gehörten zu den ersten Gratulant*innen: Uni-Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff (li.) und der Hochschulratsvorsitzende Dr. Josef Beutelmann (re.) mit dem Geschäftsführer-Trio der Uni-Ausgründung Michael Becker, Tobias Müller und Björn Uhlemeyer (Mitte von links nach rechts). // Foto Christina Semke
„Der Preis für unsere BUW-Alumni beleuchtet wunderbar die praktische Wirksamkeit universitären Wissens. Ausgründungen, wie die BMU Energy Consulting, tragen zu unserer Mission bei, innovatives Wissen für die Gesellschaft erschließbar zu machen und damit zur Lösung evidenter Herausforderungen beizutragen“, resümierte Uni-Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff bei der Preisverleihung, die am Donnerstagabend unter der Schirmherrschaft von Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff in der Glashalle der Stadtsparkasse Wuppertal stattfand.
Markus Hilkenbach, Vorstandsvorsitzender der WSW Wuppertaler Stadtwerke, betonte in seiner Laudatio: „Die BMU Energy Consulting GmbH verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit praktischer Umsetzbarkeit und gibt Kommunen, Energieversorgern und Netzbetreibern damit Orientierung in einer Zeit, in der Orientierung kostbar geworden ist. Darauf dürfen wir hier in Wuppertal stolz sein.“
Eine Dienstleistung für alle
Die Gründer Michael Becker, Björn Uhlemeyer und Tobias Müller kommen aus der universitären Forschung. Die BMU Energy Consulting ging 2023 aus dem Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal hervor, der sich mit Forschungsfragen rund um die Energiewende beschäftigt. „Die Idee zur Gründung entstand, als wir merkten, dass die Themen, an denen wir bereits vor drei oder vier Jahren geforscht hatten, nun in der Praxis relevant wurden“, berichtet Michael Becker. Als Beispiel nennt er die kommunale Wärmeplanung: Sie hat sich in den vergangenen Jahren von einem Forschungsthema zu einer konkreten Aufgabe für Städte und Gemeinden entwickelt und ist heute ein zentraler Baustein für die strategische Planung der künftigen Wärmeversorgung.
Michael Becker: „Für uns ist es ungemein reizvoll, unser Wissen und unsere Erfahrung aus den vielen bereits durchgeführten Forschungsprojekten nun als Dienstleistung anzubieten, von der alle, die in einer Stadt leben und arbeiten, profitieren.“
Der Kontakt zur Universität ist von unschätzbarem Wert und daher weiterhin fest im Unternehmen verankert: Für das Gründer-Trio ist der regelmäßige Austausch mit ihrem wissenschaftlichen Mentor und Lehrstuhlleiter Prof. Dr. Markus Zdrallek ein wichtiger Bestandteil ihres Wirkens. „Indem wir am Puls der Wissenschaft arbeiten und uns mit Prof. Zdrallek und seinem Team regelmäßig über aktuelle Entwicklungen in der Energiewelt austauschen, können wir Kommunen, Stadtwerke und Netzbetreiber auf dem Weg zur Klimaneutralität mit einem vorausschauenden Blick und auf Basis aktueller wissenschaftlicher Methoden beraten“, berichtet Björn Uhlemeyer.
Verschiedene Bausteine werden zusammengeführt
Die Dienstleistung der Jungunternehmer beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der Wärmeversorgung, sondern hat auch deren Auswirkungen im Blick. So wird zum Beispiel das Stromnetz durch den Betrieb von Wärmepumpen massiv zusätzlich belastet. „Während unserer Tätigkeit an der Universität haben wir die Energieinfrastruktur im Gesamten betrachtet und verschiedene Projekte verantwortet, die den zuverlässigen Ausbau erneuerbarer Energien und klimaneutraler Technologien in allen Bereichen des Energiebedarfs unterstützen“, erklärt Tobias Müller. Diese Kompetenzen bündeln die drei Geschäftsführer nun gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden, um verschiedene Akteure der Energiewirtschaft bei den anstehenden Herausforderungen der Energie-, Mobilitäts- und Wärmewende zu unterstützen. Dabei reicht das Themenfeld mittlerweile von Wärmenetzplanungen über Gasnetzstrategien und ganzheitliche Quartiersplanungen und Energieleitplanungen bis hin zur Analyse der Resilienz von Energienetzen.
„Für mich ist die BMU Energy Consulting GmbH ein Paradebespiel für gelungenen Transfer: So stiften wissenschaftliche Erkenntnisse konkreten Nutzen im wahren Leben – hier bei der Wärmeversorgung in unseren Städten und Gemeinden“, so Prof. Zdrallek.
Der Wuppertaler Wirtschaftspreis ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen der Stadt Wuppertal, die jährlich herausragende Unternehmen und Unternehmer*innen würdigt. Er hebt besondere Leistungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Wachstum und Innovation hervor, die zur nachhaltigen Entwicklung und Lebensqualität in Wuppertal beitragen. Der Preis wird gemeinsam von der Stadtsparkasse Wuppertal, der Wirtschaftsförderung, wuppertalaktiv und der Wuppertal Marketing GmbH ausgelobt.
Drei Fragen an die BMU Energy Consulting
Was genau bedeutet „Kommunale Wärmeplanung“?
Tobias Müller: Über allem steht das Ziel, dass wir in Deutschland bis 2045 klimaneutral sind, also keine klimaschädlichen Treibhausgase wie CO₂ mehr ausstoßen. Dafür muss auch unsere Wärmeversorgung Schritt für Schritt von fossilen Energieträgern wie Erdgas und Erdöl wegkommen und stärker auf erneuerbare Energien und andere klimaneutrale Wärmequellen setzen. Bis 2026 beziehungsweise 2028 müssen Kommunen deshalb eine Wärmeplanung vorlegen – abhängig von ihrer Größe. Wichtig ist: Die kommunale Wärmeplanung ist kein flächendeckendes Heizungsverbot und auch keine automatische Austauschpflicht für bestehende Heizungen. Sie ist vielmehr ein Fahrplan, der die Potenziale vor Ort ermittelt und der Kommune einen Überblick darüber gibt, wo beispielsweise Wärmenetze sinnvoll sein könnten – etwa, weil viele Gebäude nah beieinanderliegen und eine geeignete Wärmequelle vorhanden ist. Auch die Nutzung von Abwärme aus Industrie oder Rechenzentren kann dabei eine Rolle spielen.
Und da kommen Sie ins Spiel?
Björn Uhlemeyer: Genau. Wir setzen uns mit der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und anderen relevanten Akteuren an einen Tisch. Auf Basis der Daten, die uns die Städte zur Verfügung stellen, schauen wir uns die Gegebenheiten vor Ort an: Wie sind die einzelnen Stadtteile besiedelt? Wie viel Industrie gibt es vor Ort? Wie hoch ist der Energieverbrauch? Und welche Wärmequellen stehen zur Verfügung? Auf dieser Grundlage erstellen wir die Wärmeplanung und können beispielsweise aufzeigen, in welchen Gebieten ein Wärmenetz sinnvoll und wirtschaftlich sein könnte.
Wir führen auch Infoveranstaltungen für Bürger*innen durch. Denn Aufklärung und die Mitnahme der Menschen vor Ort, für die die Planung letztlich gemacht wird, sind wichtige Bestandteile eines solchen Projekts. Interessant ist die Entwicklung bei diesen Veranstaltungen: Als wir angefangen haben, gab es deutlich mehr Gegenwind. Viele Menschen hatten Sorge, dass sie zu etwas gezwungen werden. Mittlerweile merken wir, dass viel häufiger das Interesse im Vordergrund steht. Viele wissen, dass sich bei der Energieversorgung etwas verändern muss, und verstehen zunehmend, welche Möglichkeiten die Wärmeplanung für ihre Kommune und damit für sie persönlich eröffnet.
Wie geht es dann weiter?
Michael Becker: Unser Ergebnis umfasst konkrete Maßnahmen, die wir empfehlen und die die Städte und Energieversorger bzw. Netzbetreiber anschließend priorisieren und umsetzen können. Weil wir dabei Wirtschaftlichkeit, Sinnhaftigkeit und die Besonderheiten vor Ort berücksichtigen, hat die Kommune am Ende einen Plan in der Hand, mit dem sie konkret weiterarbeiten kann.
Wenn wir beispielsweise in einem Gebiet ein Potenzial für ein Wärmenetz erkennen, kann die Kommune dieses Gebiet im nächsten Schritt genauer untersuchen. Dann stellen sich konkrete Fragen: Wer baut und betreibt das Wärmenetz? Woher kommt die Wärme? Wie muss das Netz dimensioniert und geplant werden? Und wie kommt die Wärme von der Quelle über die Verteilungsleitungen bis zum Hausanschluss? Auch bei dieser weiterführenden Planung können wir die Kommunen begleiten.
Die Wärmeplanung muss regelmäßig fortgeschrieben werden. Das ist sinnvoll, weil sich in einigen Jahren neue Entwicklungen und Potenziale ergeben können und gleichzeitig die priorisierten Projekte aus der vorherigen Planung weiterentwickelt oder umgesetzt worden sind. So kommt die Kommune Schritt für Schritt dem Ziel einer klimaneutralen und möglichst kosteneffizienten Wärmeversorgung näher.
Für uns hört es da aber nicht auf. Wir unterstützen die Städte, Energieversorger und Netzbetreiber auch in den nachfolgenden Themen, die sich aus der Kommunalen Wärmeplanung ergeben. Beispielsweise bei konkreten Wärmenetzplanungen oder der Beantwortung der Frage, wie sie mit dem Gasnetz weiter verfahren sollen. Auch das Integrieren der Kommunalen Wärmeplanung in eine Energieleitplanung oder direkt ganzheitliche Analysen und Konzepte für ganze Quartiere sind Themen, die wir schon lange bearbeiten.