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Impuls und Gespräch

Demokratie braucht Wohlstand – und Wohlstand braucht Freiheit

25.06.2026|13:40 Uhr

Wirtschaftliche Stärke ist nach Überzeugung von Prof. Dr. Veronika Grimm keine bloße Wohlstandsfrage, sondern eine Voraussetzung für die Stabilität demokratischer Gesellschaften. Beim „Zukunftsforum Demokratie“ der Bergischen Universität Wuppertal am 22. Juni sprach die Wirtschaftsweise und Professorin der Technischen Universität Nürnberg über die Wechselwirkungen von Demokratie, Freiheit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Grundlage ihres Vortrags war die Frage, wie freiheitliche Demokratien in einer Welt wachsender geopolitischer Spannungen ihre Handlungsfähigkeit bewahren können.

Wirtschaftswissenschaftlerin Grimm beim „Zukunftsforum Demokratie“: Wirtschaftswachstum habe in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern und politische Handlungsspielräume zu schaffen. // Fotos Michael Mutzberg

Im Zentrum ihrer Ausführungen stand die Beobachtung, dass wirtschaftlicher Wohlstand und demokratische Stabilität eng miteinander verbunden seien. Wirtschaftswachstum habe in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern und politische Handlungsspielräume zu schaffen.

Veronika Grimm: „Wohlstand entsteht nicht von selbst“

Gleichzeitig sehe sich Deutschland heute mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert: seine lang anhaltende Stagnation, sinkendes Produktivitätswachstum, demografischer Wandel und zunehmende internationale Konkurrenz. „Wohlstand entsteht nicht von selbst“, betonte Grimm. Dynamischer technologischer Fortschritt und unternehmerische Initiative seien entscheidende Voraussetzungen dafür, dass auch künftige Generationen in Freiheit und Sicherheit leben könnten.

Besorgt zeigte sich die Ökonomin über den Verlust wirtschaftlicher Dynamik und das Zurückfallen bei wichtigen Zukunftstechnologien in Europa. Während in andere Weltregionen die Unternehmen massiv in Zukunftstechnologien investierten, verliere Europa zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit. Besonders deutlich werde dies bei Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und anderen Schlüsseltechnologien. Gleichzeitig wachse die Neigung, politische Herausforderungen vor allem über Regulierung und staatliche Steuerung lösen zu wollen. Grimm warnte davor, Freiheit und Eigenverantwortung als Grundlage der sozialen Marktwirtschaft aus dem Blick zu verlieren.

Europa muss stärker in wirtschaftliche Leistungsfähigkeit investieren

Mit Blick auf die internationale Entwicklung unterstrich die Wirtschaftswissenschaftlerin, dass Freiheit und Demokratie weltweit zunehmend unter Druck gerieten. Autoritäre Systeme gewännen wirtschaftlich und geopolitisch an Bedeutung. Europa müsse deshalb stärker in seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, technologische Innovationskraft und eigene Resilienz investieren. „Freiheit ist nicht nur ein moralisches Ideal“, so Grimm. Sie brauche auch die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Voraussetzungen, um dauerhaft bestehen zu können.

Uni-Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff dankte Veronika Grimm für die differenzierten Einblicke und die Bereitschaft, auch kontroverse Fragen offen zu diskutieren. Die Diskussion habe eindrucksvoll gezeigt, dass Wohlstand, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten seien, sondern immer wieder neu erarbeitet, begründet und gesichert werden müssten.

Veranstaltungswebseite „Zukunftsforum Demokratie“