Newsportal

 

 

Neu im Portal

Arthur Schnitzler digital veröffentlicht zwei weitere Werke

22.06.2026|10:15 Uhr

Mit dem Verslustspiel „Die Schwestern oder Casanova in Spa“ (1919) und der Novelle „Der letzte Brief eines Literaten und ein Nachwort“ (1928) erscheinen zwei weitere Werke im Online-Portal Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931). Die beiden Texte eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Schnitzlers spätes Schaffen und zeigen zugleich, wie langwierig und verschlungen die Entstehungsprozesse der Werke des österreichischen Arztes und Autors sein konnten.

Arthur Schnitzler // Foto (gemeinfrei) Ferdinand Schmutzer, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Schwestern oder Casanova in Spa

Besonders deutlich wird dies am Beispiel von Die Schwestern oder Casanova in Spa. Das Stück geht auf Stoffideen zurück, die Schnitzler bereits in den 1880er und 1890er Jahren notierte, und entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte hinweg aus einem ursprünglich unter dem Titel „Eifersucht“ geplanten Einakter. Entscheidende Impulse erhielt die Arbeit durch Schnitzlers intensive Beschäftigung mit Giacomo Casanova, dessen Erinnerungen ihn dazu anregten, seinen Stoff in die Welt des 18. Jahrhunderts zu versetzen.

Das Ergebnis war ein Verslustspiel, das der Autor selbst außerordentlich schätzte: „Mir selbst ist selten was von mir so lieb gewesen“, schrieb Schnitzler 1919 an Hugo von Hofmannsthal; Jahre später bezeichnete er das Stück als „technisch das einwandfreieste“ seiner Dramen.

Umso bemerkenswerter ist, dass diesem von Schnitzler so uneingeschränkt positiv beurteilten Werk kein nachhaltiger Bühnenerfolg beschieden war. Wiederholt verschobene Premieren, gescheiterte Proben und langwierige Konflikte mit Theaterdirektoren verhinderten den erhofften Erfolg. Die nun über das Portal Arthur Schnitzler digital verfügbare Edition macht die ungewöhnliche Werk-, Publikations- und Aufführungsgeschichte erstmals auf Grundlage sämtlicher überlieferter Dokumente im Detail nachvollziehbar.

Der letzte Brief eines Literaten und ein Nachwort

Einen anderen Aspekt von Schnitzlers literarischer Arbeit offenbart die Edition von Der letzte Brief eines Literaten und ein Nachwort. Über fast 25 Jahre hinweg rang der Autor hier weniger mit dem Stoff als mit der geeigneten Form: Nacheinander entwarf er die Geschichte eines ‚Literaten‘, der glaubt, einen tiefen persönlichen Schmerz erleben zu müssen, um ein großes Werk zu schaffen, als Tagebuch, als tragische Anekdote, als Novelle, als Ich-Erzählung eines Arztes und schließlich als (novellistischen) Brief des Schriftstellers selbst.

Obwohl Schnitzler den Text bis in seine letzten Lebensjahre hinein überarbeitete, erschien er erst nach seinem Tod und damit ohne Autorisation des Autors. Die nun veröffentlichte historisch-kritische Edition folgt daher nicht dem postumen Erstdruck, sondern konstituiert erstmals einen Lesetext auf Grundlage der letzten von Schnitzler selbst bearbeiteten Werkniederschrift. Die Unterschiede zum Text in der bislang verbreiteten Fassung des Erstdrucks werden bei dieser Gelegenheit aufgezeigt. Zugleich dokumentiert die Edition detailliert die zahlreichen Anläufe und Umwege, die zur endgültigen Gestalt der Novelle führten.

Weitere Neuheiten

Neu online gehen außerdem die vollständigen Sachkommentare zu den bereits edierten Werken Komödie der Verführung und Professor Bernhardi, womit nunmehr weitere zentrale Werke des Autors in ihrem historischen, kulturellen und biografischen Kontext umfassend erschlossen sind. Der Kommentar zu Professor Bernhardi wurde vom britischen Partnerteam der Edition erarbeitet.

Mehr Hintergrund zum Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931) wird von Wissenschaftler*innen an der Bergischen Universität Wuppertal, der University of Cambridge und dem University College London in Kooperation mit der Cambridge University Library, dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, dem Arthur-Schnitzler-Archiv-Freiburg sowie mit dem Trier Center for Digital Humanities durchgeführt. Das deutsche, Anfang 2012 gegründete und als Forschungsvorhaben der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste im Rahmen des Akademienprogramms geförderte Teilprojekt,  bearbeitet die Werke ab 1914.