Europäisierung der Behindertenrechtsmodelle? Vom langsamen Wandel nationaler Inklusionskonzepte in Frankreich und Deutschland
Über die Veranstaltung:
In der Geschichte der internationalen Behindertenrechtsbewegungen stellen die 2000er Jahre einen Wendepunkt dar. Parallel zu den Verhandlungen der Generalversammlung in New York über die UN-Behindertenrechtskonvention traten 2002 in Deutschland das Behindertengleichstellungsgesetz und 2005 in Frankreich das „Loi handicap“ in Kraft. In beiden Ländern wurde Behinderung nahezu zeitgleich zu einem neuen Gegenstand geisteswissenschaftlicher Forschung und Lehre, nachdem das Thema lange vor allem den Rehabilitationswissenschaften überlassen worden war. Beide Einschnitte auf juristischer und wissenschaftlicher Ebene ergaben sich zum einen aus der Rezeption britischer und US-amerikanischer Modelle von Behinderung, die in Frankreich und Deutschland auf unterschiedlichen Nährboden fielen, und zum anderen aus der Europäisierung von Inklusionsdebatten, die nationale Unterschiede bis zu einem gewissen Grad einebnete. Sarah Neelsen untersucht in dem Vortrag diese doppelte Bewegung der nationalen Aneignung und der internationalen Aushandlung neuer Behinderungsmodelle und gibt Einblick in Aspekte von Inklusion, die heute von einem engeren deutsch-französischen Austausch profitieren könnten.
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