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Mehr als Fußball

Bergische Universität verleiht Manuel Neukirchner die Ehrendoktorwürde

03.11.2026|09:45 Uhr

Auszeichnung für die Vermittlung von Fußball aus kulturwissenschaftlicher Sicht: Der Direktor des Deutschen Fußballmuseums, Manuel Neukirchner, erhielt im Rahmen einer Feierstunde auf dem Campus Grifflenberg die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften. Die Fakultät würdigt mit dieser Auszeichnung Neukirchners Wirken um die Bedeutung des Volkssports Fußball für Literatur, Kunst und Gesellschaft. Neben zahlreichen Gästen nahmen auch die Fußballlegenden Günter Netzer, Erwin und Helmut Kremers, Klaus Fischer und Toni Schumacher sowie Schauspieler Peter Lohmeyer am Festakt teil.

Foto von Manuel Neukirchner am Rednerpult.

Manuel Neukirchner hielt bei der Festveranstaltung einen Vortrag zum Thema „Wie der schmollende Achilles“ – Phänomenologische Betrachtungen zur
Kultur des Fußballs. // Fotos Friederike von Heyden

Fußball als Spiegel der Gesellschaft, als Gegenstand kultureller Erinnerung und als Thema für Literatur und Kunst: Für seine herausragenden Leistungen auf diesem Gebiet hat die Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal Manuel Neukirchner die Ehrendoktorwürde verliehen. 

„Seine Arbeiten haben die kulturelle Selbstbeschreibung der Fußballnation Deutschland auf ein neues Niveau gehoben und das populäre Phänomen Fußball mit Mitteln der Geistes- und Kulturwissenschaften neu lesbar gemacht", sagte Germanist Prof. Dr. Matías Martínez, der die Auszeichnung Neukirchners angeregt hatte. 

„Fußball aus einer geistes- und kulturwissenschaftlichen Perspektive zu beleuchten ist eine eher ungewöhnliche Herangehensweise, die Manuel Neukirchner sehr glaubwürdig verkörpert. Daraus Erkenntnisse auch zu Gemeinsamkeiten der Gesellschaft abzuleiten, ist uns allen ein großes Anliegen“, betont Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff in ihrer Begrüßung. „Ich danke der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften für diese originelle Initiative.“

Vier Personen stehen vor dem gefüllten Hörsaal und lächeln in die Kamera. Ein Mann hält eine Urkunde in der Hand.

Uni-Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff (links) und Dekanin Prof. Dr. Ursula Kocher (2.v.r.) überreichten Manuel Neukirchner (2.v.l.) die Promotionsurkunde. Die Laudatio hielt Germanist Prof. Dr. Matías Martínez.

Vom Wuppertaler Studenten zum Direktor des Deutschen Fußballmuseums

Manuel Neukirchner, Jahrgang 1967, studierte an der Bergischen Universität Allgemeine Literaturwissenschaft, Neuere Deutsche Literaturgeschichte und Geschichte. Nach dem Magisterexamen arbeitete er zunächst als Print- und Hörfunkjournalist. Von 2009 bis 2015 verantwortete er als Gründungsdirektor die bauliche, szenografische und inhaltliche Realisierung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund. Seit der Eröffnung im Jahr 2015 leitet er das Haus.

Unter Neukirchners Verantwortung entstand ein Museum, das weltweit einzigartig ist. „Es reduziert Fußball nicht auf sportliche Erfolge, legendäre Spiele und große Persönlichkeiten. Die Ausstellungen beleuchten vielmehr auch die gesellschaftlichen, politischen und ästhetischen Dimensionen des Sports. Themen wie Migration, nationale Identität, Erinnerungskultur, Diversität und der Umgang mit Antisemitismus finden darin ebenso ihren Platz wie die Geschichte des deutschen Fußballs“, führt Prof. Martínez aus. 

Mit seiner besonderen Ausstellungsdramaturgie verbindet das Museum historische Dokumente und Objekte mit multimedialen und immersiven Vermittlungsformen. Es versteht sich damit nicht nur als Ort der Erinnerung, sondern auch als Raum für gesellschaftliche Auseinandersetzung. 

Fußball zwischen Literatur, Kunst und Geschichte

Neukirchners Arbeit reicht weit über die Konzeption und Leitung des Museums hinaus. Als Autor und Herausgeber hat er zahlreiche Publikationen zur Kulturgeschichte des Fußballs vorgelegt. Auch als Dramatiker beschritt Neukirchner neue Wege. Sein Stück „Die Nacht von Sevilla“ (2022) rekonstruiert das dramatische WM-Halbfinale von 1982 zwischen Deutschland und Frankreich anhand dokumentarischer Quellen und unterschiedlicher Stimmen. Sporthistorische Fakten, Emotionen und die Erinnerung an ein Spiel von außergewöhnlicher Dramatik werden darin zu einem Theatertext verbunden. Bei der Festveranstaltung an der Bergischen Universität erhielt dieses Werk durch die szenische Lesung von Schauspieler Peter Lohmeyer eine besondere Präsenz. 

Eine Brücke zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit

In der Begründung für die Ehrung hebt die Fakultät insbesondere Neukirchners Beitrag hervor, geistes- und kulturwissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum zu vermitteln. Mit dem Deutschen Fußballmuseum habe er eine Institution geprägt, die Sportgeschichte mit Literatur-, Kunst-, Medien- und Sozialgeschichte verbindet und gesellschaftlich relevante Fragen aufgreift.

Prof. Martínez zur Bedeutung von Neukirchners Werk und zur Entscheidung der Fakultät: „Manuel Neukirchner hat ein Feld erschlossen, das auch in der kulturwissenschaftlichen Forschung stetig an Relevanz gewinnt und zugleich ein breites Publikum erreicht. Er ist ein Brückenbauer zwischen akademischer Forschung und gesellschaftlicher Öffentlichkeit. Seine Arbeiten beleuchten historische, kulturelle und politische Dimensionen des Fußballs und tragen damit zur kulturellen Bildung und kritischen Reflexion unserer Gesellschaft bei.“

Für Neukirchner selbst hat die Auszeichnung auch eine persönliche Dimension: Mit der Bergischen Universität ist er durch sein eigenes Studium verbunden. Über seine Erinnerungen an das Studium in Wuppertal, die Bedeutung der Ehrendoktorwürde für ihn persönlich und seine Arbeit rund um das Thema Fußball hat er uns im Interview erzählt. 

Hier geht’s zum Interview.