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Traumatisierungsrisiken sensibel begegnen

Neues Förderprogramm unterstützt Schulen bei der Arbeit mit geflüchteten Kindern

22.05.2026|08:50 Uhr

Immer mehr Kinder und Jugendliche kommen mit Flucht- und Kriegserfahrungen nach Deutschland – und damit häufig auch mit schweren psychischen Belastungen. Schulen stehen dadurch zunehmend vor der Aufgabe, Schüler*innen mit Traumatisierungsrisiko nicht nur fachlich, sondern auch emotional und sozial zu unterstützen. Mit „TAFF“ veröffentlicht die Bergische Universität Wuppertal nun erstmals ein wissenschaftlich fundiertes Förderprogramm für die traumasensible Arbeit in Schulen – kostenlos und praxisnah für Lehrkräfte und pädagogisches Personal.

Mit TAFF haben Forschende der Bergischen Universität ein traumasensibles Unterstützungs- und Förderkonzept für Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund entwickelt. // Foto Rido – stock.adobe.com

Die gesellschaftliche Relevanz ist groß: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2024 rund 3,3 Millionen Schutzsuchende in Deutschland, darunter etwa 27 Prozent Kinder. Zusätzlich erhielten Ende 2024 mehr als 357.000 minderjährige ukrainische Staatsangehörige vorübergehenden Schutz in Deutschland. Viele dieser jungen Menschen haben Krieg, Flucht, Gewalt oder Verlust erlebt. Solche Erfahrungen können die emotionale Entwicklung, das Sozialverhalten und das Lernen nachhaltig beeinträchtigen.

Bislang keine praktisch umsetzbaren Konzepte

Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal das neue Förderprogramm „TAFF – Traumasensibles Unterstützungs- und Förderkonzept für Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund“ entwickelt. Das Programm wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Friedrich Linderkamp und Prof. Dr. Gino Casale im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts „TRAILS – Traumasensitive Diagnose und Förderung in inklusiven Schulen“ erarbeitet und wissenschaftlich evaluiert. Nun ist das Manual im Universitätsverlag der Bergischen Universität erschienen und frei zugänglich (siehe Infokasten).

„Schule kann für belastete Kinder und Jugendliche ein zentraler Ort von Stabilität, Sicherheit und Unterstützung sein“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Linderkamp. „Bislang fehlten jedoch wissenschaftlich fundierte und zugleich praktisch umsetzbare Konzepte für Lehrkräfte.“

Strategien zur Emotionsregulation

Hier setzt TAFF an: Das Programm wurde speziell für den Einsatz im schulischen Alltag entwickelt und richtet sich an Lehrkräfte sowie pädagogisches Fachpersonal. In elf Gruppensitzungen lernen Schüler*innen unter anderem Strategien zur Emotionsregulation, zum Umgang mit Stress und belastenden Gedanken sowie zur sozialen Problemlösung. Ergänzt wird das Konzept durch Übungen zur Achtsamkeit und Ressourcenstärkung.

Das Programm orientiert sich an international bewährten Ansätzen der Traumapädagogik und wurde an die Bedingungen deutscher Schulen angepasst. Besonderer Wert wurde auf eine einfache praktische Umsetzung, kultursensible Methoden und eine enge Orientierung an den Bedürfnissen der Schulen gelegt.

„TAFF verfolgt einen präventiven Ansatz“, erläutert Prof. Dr. Gino Casale. „Es geht darum, belastete Kinder frühzeitig zu unterstützen und Schulen dabei zu helfen, eine traumasensible Lernumgebung zu schaffen.“

Manual zum Download

Die Bergische Universität Wuppertal veröffentlicht mit „TAFF – Traumasensibles Unterstützungs- und Förderkonzept für Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund“ erstmals ein wissenschaftlich fundiertes und praxisnahes Förderprogramm für die traumasensible Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung an Schulen. Das Manual steht ab sofort kostenlos im Open Access zur Verfügung.

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