Professionalisierung
Neue Lernmaterialien für Lehrkräfte im Umgang mit Antisemitismus
Szene aus dem Videomaterial // © Tikvah Institut und Bergische Universität Wuppertal
Die kurzen Trickfilme zeigen konkrete schulische Situationen, in denen unterschiedliche antisemitische Vorfälle auftreten. Sie präsentieren bewusst keine idealtypischen Reaktionen, sondern eröffnen Lernräume, in denen pädagogische Handlungssituationen analysiert, reflektiert und diskutiert werden können. Ergänzt werden die Video-Vignetten durch wissenschaftlich fundierte Handreichungen für Moderierende und Dozierende von Lehrkräfteaus‑ und ‑fortbildungen, die inhaltliche Hintergründe, didaktische Impulse und methodische Anregungen bereitstellen. Die Materialien wurden in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf erstmals einem breiten Publikum öffentlich vorgestellt und stehen ab sofort über diesen Link kostenlos zur Verfügung.
Nordrhein-Westfalen übernimmt hierbei eine Vorreiterrolle und bindet VIMPLA sukzessive in den Vorbereitungsdienst („Referendariat“) ein. Einführende Webinare für Ausbilder*innen haben bereits stattgefunden. NRW-Schulministerin Dorothee Feller erklärt:
„Dass jüdische Kinder und Jugendliche sich in deutschen Schulklassen und auf deutschen Schulhöfen nicht sicher fühlen können, ist unerträglich. Nordrhein-Westfalen tritt daher jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegen. Wichtig ist, dass wir unseren Lehrkräften das nötige Problembewusstsein vermitteln und ihnen Handlungssicherheit geben. Mit dem Selbstlernkurs AMUDIM und Gedenkstättenfahrten für Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter haben wir bereits große Schritte in diese Richtung unternommen. Mit VIMPLA setzen wir diesen Weg konsequent weiter fort.“
Die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur Sylvia Löhrmann begrüßt ausdrücklich das Projekt:
„Vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung, der Verbreitung antisemitischer Narrative in sozialen Medien sowie dem Auftreten von antisemitischen Vorfällen im schulischen Kontext stehen Bildungseinrichtungen vor erheblichen Herausforderungen. Die Beschäftigung mit dem Themenbereich Antisemitismus in der Lehrkräfteausbildung ist daher essenziell wie auch die kontinuierliche Berücksichtigung in den Weiter- und Fortbildungsprogrammen. Lehrkräfte müssen in der Lage sein, Antisemitismus – in all seinen Erscheinungsformen – zu erkennen und wissen, wie man in den Situationen entsprechend handelt. Hier setzt das Projekt VIMPLA an und eröffnet Lernräume für konkrete Handlungskompetenz im schulischen Bereich. Mich freut, dass ich als Beauftragte nun dazu beitragen kann, die Ansätze des Projekts in der Lehrkräftebildung zu verankern.“
Projektleiter Marc Grimm, Vertretungsprofessor an der Bergischen Universität Wuppertal, betont:
„Seit dem 7. Oktober 2023 haben insbesondere Fälle von israelbezogenem Antisemitismus an Schulen zugenommen und erfordern unbedingt Aufmerksamkeit. Für Lehrkräfte entstehen dadurch anspruchsvolle pädagogische Situationen, in denen fachliche Einordnung, normative Orientierung und professionelle Handlungssicherheit gefragt sind. Genau hier setzen unsere VIMPLA-Filme an: Sie zeigen verschiedene Erscheinungsformen von Antisemitismus und machen komplexe und konflikthafte Themen in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung besprechbar. Unser Ziel ist nicht, fertige Reaktionen vorzugeben, sondern Lehrkräften zu ermöglichen, in der gemeinsamen Auseinandersetzung die nötige Handlungssicherheit zu entwickeln.“
Volker Beck, Geschäftsführer des Tikvah Insituts gUG, ergänzt:
„VIMPLA leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung einer demokratischen Schulkultur und zur Unterstützung von Lehrkräften, die sich täglich für ein respektvolles, diskriminierungsfreies Miteinander einsetzen. Aktuell arbeiten wir daran, die VIMPLA-Materialien bestmöglich in der staatlichen und nicht-staatlichen Lehrkräfteaus- und -fortbildung zu verankern. Das Tikvah Institut verfolgt damit einen Empowerment-Ansatz: Lehrkräfte sollen befähigt werden, in ihrem jeweiligen Umfeld selbst gegen Antisemitismus zu handeln und demokratische Verantwortung zu übernehmen. Die Vermittlung von Kenntnissen über Erscheinungsformen von Antisemitismus sowie der Umgang mit entsprechenden Vorfällen muss dringend in allen Bundesländern verpflichtender Bestandteil der Lehramtsausbildung an den Hochschulen sowie im Referendariat werden!“
Sebastian Mohr, Teamleiter SABRA (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus), unterstreicht:
„Für jüdische Schüler*innen, Familien und Gemeinden ist Antisemitismus keine abstrakte Herausforderung, sondern eine konkrete Alltagserfahrung. Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Bedrohungslage deutlich verschärft. Jüdinnen und Juden müssen ihre Sichtbarkeit, ihre Sicherheit und ihr Vertrauen in Institutionen neu abwägen. Schulen tragen deshalb eine besondere Verantwortung: Sie müssen jüdische Perspektiven wahrnehmen, Betroffene schützen und Antisemitismus klar entgegentreten. Lehrkräfte brauchen dafür professionelle Handlungssicherheit. Die VIMPLA-Materialien leisten hierzu einen wichtigen Beitrag, weil sie konkrete schulische Situationen sichtbar machen und zur reflektierten Auseinandersetzung mit pädagogischen Handlungsmöglichkeiten anregen.“
Das Projekt
VIMPLA ist ein Kooperationsprojekt des Tikvah Instituts gUG mit der Bergischen Universität Wuppertal. Es wird unterstützt durch den Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik an der Ruhr-Universität Bochum und SABRA (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus).
Das Tikvah Institut gUG wird institutionell gefördert durch das Bundesministerium des Innern. Die Video-Vignetten sind in Rahmen dieser Finanzierung entstanden. Das Transferprojekt NATAV NRW wird gefördert durch die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfallen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur.